Wirkgilde Blog

Logo

30.6.2020

Die Frage nach dem Wesentlichen

Der Alltagsmensch verlebt sein Leben ohne Sinn und Orientierung. Er verbringt seine Lebenszeit auf der Suche nach Stimulation und Befriedigung durch Dinge, die wertlos sind, und muß sich das am Ende, wenn er mit der Wahrheit seiner Existenz konfrontiert wird, voller Verbitterung eingestehen.

Die Frage nach dem Wesentlichen bringt sofort die entscheidende Perspektive ins eigene Dasein. Sie bedeutet auch unmittelbar die Verabschiedung der oberflächlichen Augenmerke des Durchschnittslebens.

Die Begegnung mit der Möglichkeit einer konkreten Antwort löst die entscheidende Wandlung aus. Dann sieht man auch, daß die allermeisten Menschen mit dieser Antwort nie Kontakt erhalten.

Hilfreich, um sich das Wesentliche klarzumachen, ist die Erinnerung an die Endlichkeit der biologischen Existenz. Auf dieser Erde gibt es keine Überlebenden! Aber die gesamten Aktivitäten und Augenmerke der Alltagsmenschen dienen dazu, genau diese Tatsache zu vertuschen und ihr auszuweichen. Der ehrliche, an Selbsterkenntnis interessierte Mensch hingegen benutzt die Tatsache des eigenen Todes, um sich auf das zu besinnen, was wirklich zählt.

Was kann das sein, wenn alles Äußere früher oder später verabschiedet werden muß und wenn auch sämtliche Erfahrungen, angenehme wie unangenehme, im Endeffekt ihre Substanzlosigkeit erweisen? Wenn also weder persönliche Leistungen, Reichtum, Berühmtheit, Macht, zwischenmenschliche Beziehungen, Sex, Klugheit und Bildung, ja selbst Lebensweisheit nur vorübergehende Eindrücke sind, die vergehen müssen? Haken wir das alles als vordergründig ab, so erhebt sich die Frage, was diese „Lebensshow“ bedeuten könnte. Ist sie nur „Theater“ ohne Sinn und Zweck? Geht es einfach darum, sich bei diesem Theater bestmöglich zu amüsieren oder zu versuchen, sich möglichst viel Genuß oder Profit herauszupressen, nur um am Ende doch wieder alles hergeben zu müssen?

Die Antwort kann nur darin liegen, sich nach der Beziehung zwischen einem selbst — bzw. dem Ich — und dieser „Show“, also der äußeren Welt, zu fragen. Was habe ich eigentlich mit dieser Welt zu schaffen? Bei näherer Untersuchung stellt sich heraus, daß beide in einem direkten Zusammenhang stehen: Denn ohne Gewahrsein und Bewußtsein gäbe es die Welt gar nicht. Sie ist Erscheinung eines Betrachters, der sie durch seine Sinne erfährt.

Diese Beziehung zwischen betrachtendem Selbst (Subjekt) und Betrachtetem (Objekt) zu klären, darum geht es. Denn hier sind wir an der Kernfrage angelangt. Wenn wir klären, weshalb die Welt als unser Gegenpart in Erscheinung tritt und was die einzelnen Wahrnehmungen und Erfahrungen mit uns selbst zu tun haben, können wir das Geheimnis lüften. Dann haben wir die große Frage nach „Leben und Tod“ geklärt, und dann können wir ohne Reue und Bedauern von der Bühne der äußeren Existenz abtreten, statt uns an den endlosen Kreislauf der Erscheinungen zu klammern.

Zugleich mit der Besinnung auf das Wesentliche beginnen wir ein neues Leben zu entdecken. Die Öffnung des Bewußtseins gegenüber der Aktualität des Hier und Jetzt gibt den durch monotone Lebensroutinen und alte Gewohnheiten verblaßten Eindrücken eine ganz neue Farbigkeit und Intensität. Stimmungen von Depression und Resignation fallen von uns ab und machen einer neuen Begeisterung, einem freudigen Wagemut Platz. Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstverantwortung (Autonomie) treten an die Stelle des konventionellen Mitläufertums der „Zombies“, der Schablonenmenschen der Ausbeutungs- und Verwertungsmaschine des „Systems“, die sich dort wie Nutztiere halten und durch Tricks und Unterhaltung einlullen lassen.

Der Krieger (Fühlender, Wahrheitssucher) ergreift beherzt die Chance, die ihm das Wissen von der wahren Bestimmung des Menschen eröffnet.

Gerd-Lothar Reschke 9.4.2019

Startseite
Copyright © 2020 Gerd-Lothar Reschke | Impressum | Datenschutz